Wieso ich immer wieder das weite suche….

Stolz auf meinen eigenen Weg. Bist du zufrieden mit deinem aktuellen Leben oder gibst du dich zufrieden?

Mit meinen 31 Jahren war ich schon mehr unterwegs, als andere in ihrem ganzen (Arbeits-)Leben überhaupt «Urlaubstage» haben. Für viele eine sehr beängstigende Erkenntnis! Dieser Beitrag soll kein «Ich bin besser als du» sein, sondern er soll dich wachrütteln und dir einen echten Einblick ins Leben unterwegs geben.
Denn es zieht mich einfach immer wieder weg. Ich brauche die Zeit für mich, die Zeit in der Natur und unterwegs. Ich kann nicht das ganze Jahr zu Hause sein. Wobei wir (mein Ehemann und ich) in einem wunderschönen Haus am See leben, halte ich es kein Jahr zu Hause aus. Und das nicht, weil ich die Menschen um mich nicht liebe, sondern weil ich meinen Freiraum brauche. Ich brauche die Abwechslung, ich brauche den Tapetenwechsel. Ich brauche die äussere Freiheit, um meinen inneren Freiheitsdrang zu befriedigen. Das Unterwegssein erdet mich und erlaubt es mir, all die Erlebnisse und Begegnungen zu verarbeiten.


2024/25 war seit über 10 Jahren, mein erstes Jahr, in dem ich nicht 3–4 Monate auf Reisen war, und ich wäre fast daran zerbrochen. Mental und körperlich ging es mir in dieser Zeit unglaublich schlecht. Wortwörtlich hatte ich die Lust am Leben verloren, meine Lebensfreude war weg, obwohl es viele wundervolle Momente gab. Ich fühlte mich nur noch ausgelaugt und neben der Spur, ich war gefangen im Alltagstrott. Rückblickend ist klar: Ich hatte versucht, mich mit dem 0815-Leben zufrieden zu geben. Und genau in diesem einen kleinen Wort steckte der Teufel: «Zufrieden zugeben» heisst nicht gleich «zufrieden sein»! Ich hatte versucht, den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, ein Leben zu leben, wie «man» es eben so macht. Ich hatte das Gefühl, ich muss «erwachsen werden». Mein unkonventionelles, wildes Leben als 20-Jährige hinter mir lassen, nicht mehr alles ausprobieren, Risiken eingehen und das Leben in vollen Zügen geniessen. Doch dieses Anpassen, hat mir die Lebensenergie ausgesaugt.

Vielleicht kennst du das selbst? Wann hast du dich das letzte Mal hinterfragt? Was raubt dir deine Lebensfreude? Womit gibst du dich zufrieden? Wo in deinem Leben passt du dich den gesellschaftlichen Normen an, anstatt deine eigene Vorstellung vom Leben an erster Stelle zu setzen? Und am wichtigsten: Was erwartest du wirklich vom Leben?

Egal in welchem beruflichen Kontext du gerade unterwegs bist, es gibt immer Möglichkeiten und Wege, sich eine «Auszeit» zu nehmen und von unterwegs auszuarbeiten. Die Frage hier ist immer: Was bist du bereit dafür zu tun oder worauf bist du bereit zu verzichten? Für mich war klar: Den Winter 2025/26 werde ich wieder in den Süden fliehen (von wo ich auch gerade diesen Beitrag schreibe).

Wenn du dich jetzt fragst, wie macht die das, jedes Jahr so lange unterwegs zu sein?
Eine berechtigte Frage und hier ein paar Möglichkeiten.

  • Du arbeitest in einer Firma, die im Winter Hauptsaison hat und in den Sommermonaten kannst du deine Überzeit & Urlaub beziehen.
  • Die Zeit zwischen zwei Arbeitsstellen
  • Du machst Saison-Jobs und in der Zwischensaison kannst du reisen
  • Du baust dir ein Online-Business auf und kannst ortsunabhängig arbeiten
  • Du bist fest angestellt und überredest deinen Chef, dass du von unterwegs aus genauso produktiv arbeiten kannst, ansonsten fällt dir die Decke auf den Kopf

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ich hatte alle davon ausprobiert.
Übrigens, wenn du noch mehr Ideen finden möchtest, welche Jobs du von unterwegs aus machen kannst, empfehle ich dir das Buch «Camper Nomade» von Anja. Dieses Buch hätte ich mir vor 6–7 Jahren gewünscht, dann hätte ich die Learning nicht alles selbst machen brauchen. Auch meine Geschichte über Saisonjobs aus dem Camper kommt darin vor.

Doch unterwegs sein ist für mich nicht gleich Urlaub oder «nur» Reisen, ganz im Gegenteil: Ich arbeite von unterwegs aus. Viele verwechseln das mit Nichtstun und faul am Strand liegen. Doch wenn ich eins in all den Jahren vom unterwegs aus arbeiten gelernt habe, dann, dass ich wahrscheinlich noch viel disziplinierter und öfter am Laptop sitze, als wenn ich zu Hause in einem Büro sitzen würde. Dass es mehr Organisation benötigt. Vermeintlich banale Sachen, wie genügend Gigabyte, stabiles Internet, Strom, respektive Sonne (damit deine Solarzellen, deine Batterie auch wieder aufladen können) bis  Termin-Koordination bei unterschiedlichen Zeitzonen. Das Verständnis von deinen Kunden oder Arbeitskollegen, dass du nur online erreichbar bist und nicht kurz «persönlich» mit ihnen sprichst.
Wobei geschmacklose Hater-Kommentare zum Lifestyle nun mal dazugehören. Arbeitskollegen, die dir die «Auszeit» nicht gönnen und sich darüber lustig machen, einfach nur, weil sie selbst nicht die Eier in der Hose haben, ihre Wünsche und Bedürfnisse laut und klar auszusprechen. Von Wildfremden auf Social Media, die das als «Trend» bezeichnen und nur als gestellt darstellen, weil es weit ausserhalb ihrer Vorstellungskraft liegt, ortsunabhängig zu arbeiten.

Gleichzeitig benötigt Reisen und Arbeiten auch viel Koordination und Verzicht. Wenn du glaubst, dass du mit dem Van immer an den schönsten Ständen arbeiten kannst, dann würde ich am liebsten aus vollem Herzen lachen, denn genau das ist das Bild, das uns auf Social Media verkauft wird. Natürlich gibt es diese Momente, in denen du bei offener Schiebetür auf den traumhaften Stand blicken kannst. Doch das echte Vanlife sieht meistens anders aus … Denn da, wo schöne, abgelegene Strände sind oder hoch oben in den Bergen, da lässt das Internet oft zu wünschen übrig, was das Online-Arbeiten einfach nur mühsam macht. Öfter als dir lieb ist, gehst du Kompromisse ein, für den Live-Call an einen Ort zu fahren, sodass du einigermassen stabiles Internet und eine akzeptable Umgebung hast, um am Abend wieder an einen schönen Übernachtungsplatz mit Sonnenuntergang über dem Meer zu fahren. Es ist diese Balance  zwischen den Regentagen, auf einem Supermarktparkplatz zu arbeiten, auf verlassenen, zugemüllten Parkplätzen zu stehen und der einsamen Natur. Dazu kommt, dass Vanlife in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Die Zahl der Camper ist erheblich gestiegen (das musste ich dieses Jahr schmerzlich auf den Kanaren feststellen, doch das ist Thema für einen anderen Beitrag).

Je nachdem, wo du bist, hast du als digitale Nomadin auch die Möglichkeit, dich in ein Coworking einzumieten, mal wieder einen normalen Arbeitsplatz zu haben und dich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Oder ein Online-Coworking (ich liebe die Camp&Work-Community dafür), damit du dich in deinem Camper-Office nicht ganz so alleine fühlst.

Es ist eine einzige Gratwanderung zwischen Arbeiten, Reisen und Alltag. Viele unterschätzen den wahren «Aufwand», der den Alltag im Camper mitbringt. Nur ein Beispiel von vielen: Damit du fliessendes Wasser hast, musst du ständig deinen Wassertank auffüllen und das Abwasser entsorgen.

Vor knapp 9 Jahren hatte ich das erste Mal von unterwegs aus gearbeitet, den Laptop irgendwo an der Beachbar geöffnet und die wichtigsten E-Mails und To-dos erledigt. Was damals mit 1–2 h pro Woche Online-Arbeiten begann, wurde schnell für mich zum Normal. Der Lifestyle gefiel mir immer mehr und es weckte in mir das Bedürfnis, das dauerhaft zu machen. Als dann mit Beginn von Corona meine geplante Reise ins Wasser fiel, war klar: Ich will mir ein Leben als Digitalnomade aufbauen. Schnell traf mich die harte Realität, dass es doch etwas mehr braucht, als Online-Selbständige von unterwegs zu arbeiten, als in der Sommerpause als Angestellte gelegentlich die E-Mails zu prüfen. Von digitalen Systemen, Reiseorganisation oder dem Unternehmer-Mindset.

Durch viele Höhen und Tiefen durfte ich in den letzten Jahren gehen. Ich habe viele verschiedene Jobs und Branchen ausprobiert, habe die Positionierung in meinem eigenen Business zigmal geändert, habe einiges an Lehrgeld gezahlt, viele vermeintlich unnötige Schleifen gedreht, nur um heute einen unglaublichen Schatz an Erfahrungen und Wissen zu haben. All diese persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen von Gleichgesinnten, machen mich heute zu dem, was ich bin. Und ich bin unglaublich stolz, dass ich das in meinem Business an andere Unternehmerinnen weitergeben darf. Dass ich stolz darauf sein darf, zu sagen, dass ich meinen eigenen Weg gehe.

Nimm jetzt gerne dein eigenes Journal zur Hand und hinterfrage dich, was du vom Leben wirklich erwartest? Ob du zufrieden bist, wie es aktuell ist? Oder wo du dich einfach nur «zufrieden gibst»?

Deine Vroni

Hi, ich bin Vroni

Hier verrate ich dir meine Lieblingsrezepte aus dem Camper. Seit 2017 bin ich nun schon mit dem Van in Europa unterwegs und begeistere junge Frauen, ihren eigenen Camper-Traum wahr werden zu lassen.

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